Rückblick: Viertes Treffen Hochschulnetzwerk in Erfurt – Bauen als Versuchsanordnung
Sonne, Sommerrollen und spannende Diskussionen über die Zukunft der Architekturausbildung: Am 19. Juni 2026 traf sich das Hochschulnetzwerk von Architects for Future zu seinem vierten Netzwerktreffen an der Fachhochschule Erfurt. Rund 40 Lehrende und Studierende kamen auf dem Campus in der Schlüterstraße zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam über die Bauwende in der Lehre nachzudenken.
Nach einer gemeinsamen Vorstellungsrunde startete der interne Netzwerkaustausch. Die gerade abgeschlossene Ringvorlesung wurde reflektiert und erste Ideen für eine Fortsetzung im Sommersemester 2027 gesammelt.
Ein wiederkehrendes Thema in den Diskussionen war die Frage nach den institutionellen Rahmenbedingungen für experimentelle Lehrformate. Die vorgestellten Projekte eint, dass sie die Spielräume bestehender Lehrformate bewusst erweitern und ausloten, was innerhalb architektonischer Curricula in Reallaboren und im Maßstab 1:1 möglich ist. Gerade für die Bauwende kommt diesen Formaten eine besondere Bedeutung zu, da sie die handwerkliche Umsetzung und die Erprobung unter realen Bedingungen ermöglichen, Wissen unmittelbar erfahrbar machen und damit die Grundlage für Reflexion, Weiterentwicklung und Innovation schaffen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass gerade diese Formate häufig an administrative und strukturelle Grenzen stoßen. Die Integration von gemeinschaftlichen Bau- und Forschungsprojekten in bestehende Studienordnungen erfordert oftmals einen hohen organisatorischen Aufwand. Starre Semesterstrukturen, Prüfungsformate oder Ressourcenfragen erschweren die Umsetzung von Lehransätzen, die auf gemeinschaftlichem Arbeiten, praktischer Erprobung und offenen Prozessen beruhen.
Vor diesem Hintergrund diskutierte das Netzwerk, wie solche Beispiele künftig leichter in die Lehre integriert werden können: Welche administrativen Strukturen braucht es, damit sie experimentelle Formate unterstützen, anstatt sie auszubremsen? Wie können innerhalb der Curricula größere Freiräume für kollaborative und forschungsorientierte Bauformate geschaffen werden? Und welche institutionellen Veränderungen sind notwendig, damit Reallabore und Design-Build-Formate zu einem selbstverständlichen Bestandteil architektonischer Ausbildung werden können?
Ein besonderes Highlight des Treffens war das gemeinsame Kochen und Essen im Innenhof der Fakultät. Die von David Fiedler im Rahmen seiner Masterarbeit entwickelte temporäre „Sommerküche für den Campus Schlüterstraße“ wurde dabei selbst zum Gegenstand des Austauschs. Unter dem Motto „Kochen als kollektiver Akt“ entstanden beim gemeinsamen Zubereiten und Essen nicht nur Sommerrollen, sondern auch zahlreiche Gespräche und neue Verbindungen innerhalb des Netzwerks.
Im Anschluss öffnete sich das Treffen für den öffentlichen Teil. Lehrende und Studierende präsentierten Projekte, die exemplarisch zeigen, wie experimentelle Lehrformate die Architekturausbildung bereichern und erweitern können. Unter dem Titel „Bauen als Versuchsanordnung“ standen Lehr- und Forschungsformate von der FH Erfurt und der Bauhaus Uni Weimar im Mittelpunkt, die das Bauen im Maßstab 1:1, den Umgang mit Bestand und das gemeinschaftliche Lernen in Reallaboren erproben.
Jun.-Prof. Tim Simon-Meyer (Bauhaus Uni Weimar) stellte gemeinsam mit den Studentinnen Jale Günther und Hannah Kettel das Versuchsgut Dornburg – Experimente zu einer nachhaltigen Tektonik vor. Auf dem historischen Gutshof in Dornburg wird der Umbau des Bestands zum gemeinsamen Lern- und Forschungsraum. Im Maßstab 1:1 entstehen hier neue Perspektiven auf Material, Konstruktion und nachhaltiges Bauen – immer mit dem Anspruch, Lehre, Forschung und Praxis eng miteinander zu verbinden.
Prof. Frank Bauer und Martin Täubert (FH Erfurt) präsentierten das Projekt Bauhütte LogDesignBuild – Experimentalüberdachung in Schwachholzbauweise. Das Lehrformat erweitert den klassischen DesignBuild-Ansatz um die Auseinandersetzung mit dem Rohstoff selbst: vom Fällen und Sortieren des Holzes über Entwurf und Planung bis zur Umsetzung auf dem Campus. So entsteht eine ganzheitliche Lehrpraxis, die Fragen der Ressourcennutzung ebenso verhandelt wie neue konstruktive Möglichkeiten.
Mit Unbuilding Hetzer – ReclaimDesignBuild stellte Anna Bajanova (UdK Berlin/FH Erfurt) ein Projekt vor, das sich der experimentellen Reparatur eines mehr als 100 Jahre alten Leimholzbinders des Pioniers Otto Hetzer widmet. Ausgehend von der Analyse von Schadstellen entwickeln die Studierenden Prototypen und reversible Reparaturlösungen, die schließlich in einem physischen Bauteilkatalog zusammengeführt werden.
Den Abschluss bildete die Vorstellung eines studentischen Workshops durch Celina Jung und Alexander Wiese von Architects for Future Erfurt. Im Rahmen einer Kompaktwoche an der FH Erfurt untersuchten Studierende den Studienverlauf und den Modulkatalog hinsichtlich ihrer Beiträge zur Bauwende. Ziel war es, Potenziale sichtbar zu machen und konkrete Ansatzpunkte für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Curricula zu formulieren.
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Wir danken allen, die das Netzwerk tragen, für ihr Engagement, ihre Ideen und die Freude an der Zusammenarbeit.
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Das Netzwerk „Gemeinsam für die Bauwende“ besteht aus Lehrenden, die sich für eine Veränderung in der Lehre im Sinne der Bauwende einsetzen und diese durch verschiedene Formate zum Ausdruck bringen. Das Netzwerk ist offen für Einzelpersonen, ganze Lehreinheiten oder Fakultäten sind nicht vorgesehen. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine (Förder)-Mitgliedschaft bei Architects4Future.





